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Achtsamkeit – Die Handbremse im eigenen Kopf lösen

Im Zusammenhang mit dem Thema psychosozialer Gesundheit – für den Einzelnen wie für Unternehmen – bietet das immer bekannter werdende Konzept der „Achtsamkeit“ gute Ansätze. Dieses Konzept hat bereits vor Jahren wissenschaftliches Interesse gefunden und hat mittlerweile auch in Medizin, Psychologie und Psychotherapie Einzug gehalten. Und da es einen eindeutigen Zusammenhang gibt zwischen der Dynamik und Komplexität wachstumsorientierten wirtschaftlichen Handelns und der angesprochenen psychosozialen Gesundheit der Mitarbeiter, muss das Thema Achtsamkeit unseres Erachtens auch die Personalverantwortlichen in Unternehmen interessieren.

Achtsamkeit ist eine Haltung

Im Zusammenhang mit psychosozialer Gesundheit verstehen wir hier unter Achtsamkeit eine Haltung, die geprägt ist von Selbstverantwortung, Respekt und Achtung im Umgang mit eigenen und fremden Emotionen.

Wesentlich: Das setzt das bewusste Zulassen und Wahrnehmen der eigenen und fremden Befindlichkeit und Emotionen voraus. Emotionen haben nämlich Signalwirkung. Sie zeigen an, dass etwas verändert werden muss. Wenn beispielsweise eines unserer Ziele

  • blockiert ist, reagieren wir oft mit Ärger.
  • bedroht ist, reagieren wir oft mit Angst.
  • unmöglich ist, reagieren wir oft mit Trauer.

Wir können Gefühle wie Ärger, Angst oder Trauer wegdrücken oder gar abspalten. Dann allerdings vergewaltigen wir einen wesentlichen Teil von uns selbst, was nicht schadlos bleibt: Überforderung, Druck, Anspannung, Stress nehmen zu – weil wir weder mitbekommen, was uns gut tut, noch darauf eingehen.

Es ist das Verdienst des Amerikaners Jon Kabat-Zinn, emeritierter Professor für Medizin an der University of Massachusetts, die meditative Erfahrung der Achtsamkeit zu erforschen, aus dem buddhistischen Kontext herauszulösen und seine Forschungsergebnisse in die westliche Stressforschung zu integrieren, ohne jeden esoterischen Beigeschmack. Er entwickelte das Programm der Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR), ursprünglich ein Trainingsprogramm zur Behandlung chronischer Schmerzstörungen, heute auch eines zur Stressreduzierung und zur Behandlung von Depression. Jon Kabat-Zinn war auch der erste, der achtsamkeitsbasierte Behandlungen einer Wirksamkeitsprüfung nach modernen empirischen wissenschaftlichen Standards unterzog und zeigte überzeugend, dass Achtsamkeit der psychosozialen Gesunderhaltung dient.

Welchen Nutzen bringt Achtsamkeit?

Wir leben hier in unserer Leistungsgesellschaft in einer tendenziell emotionsfeindlichen beruflichen Umgebung, in der die Menschen um uns herum nicht aufhören, gebetsmühlenartig ausschließlich rationales und logisches Argumentieren und Handeln von uns zu erwarten. In einem solchen Umfeld fordert achtsamer Umgang mit eigenen und fremden Emotionen durchaus sozialen Mut ein, will zur Emotion eine Äußerung gemacht werden. Der Lohn dieses sozialen Muts allerdings ist größere persönliche Klarheit und Verbindlichkeit, und deren Effekte sind Glaubwürdigkeit, Zuverlässigkeit, bessere Arbeitsqualität und damit einhergehend gesteigertes Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl („Ich schaffe das“).

Die Haltung der Achtsamkeit in Gesprächen

In Gesprächen zielt eine Haltung der Achtsamkeit darauf, die offene, ungeteilte Aufmerksamkeit mit allen unseren Sinnen auf die Situation und den Gesprächspartner (Fremdachtsamkeit) und sich selbst zu richten (Selbstachtsamkeit), um auf Störgefühle zu reagieren. Gespräche sind nicht immer konfliktfrei. Werden Störgefühle in den Gesprächsverlauf integriert, kann das Gespräch konstruktiv bleiben oder wieder werden – auch dann, wenn keine Win-Win-Situation entstehen kann.

Noch schärfer formuliert: Achtsamkeit führt in Gesprächen dazu, klar, eindeutig und unmissverständlich zu sagen, was zu sagen ist – ohne dass eigene und fremde Wertschätzung und Motivation leiden. Klarheit und Wertschätzung sind dabei keine Widersprüche – im Gegenteil. Wenn wir klare Rückmeldungen erhalten, wissen wir, woran wir sind. Wir gewinnen Orientierung über die eigene Position und die des anderen. „Rumeiern“ im Gespräch dagegen hat wenig mit Achtsamkeit zu tun.

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